Die Berechnung des Gefährdungsgrades einer Rasse erfolgt anhand der Anzahl der bundesweit in Zuchtbüchern eingetragenen männlichen und weiblichen Tiere, auf deren Grundlage die effektive Populationsgröße (Ne) ermittelt wird.
Dazu führt die BLE jährlich ein Bestandsmonitoring aller in Deutschland organisiert gezüchteten Nutztierrassen durch. Die Abfrage erfolgt teilweise bei den zuständigen Tierzuchtdachverbänden oder direkt bei den einzelnen Zuchtverbänden.
Auf der Grundlage der Bestandszahlen erfolgt alle zwei Jahre eine Einstufung der einheimischen Nutztierrassen in Gefährdungskategorien durch die BLE und den Fachbeirat Tiergenetische Ressourcen.
Die Einstufung der einheimischen Nutztierrassen in eine der vier Gefährdungskategorien erfolgt hauptsächlich durch die rechnerisch ermittelte Effektive Populationsgröße (Ne). Diese wird anhand der in TGRDEU veröffentlichten Herdbuchzahlen mittels folgender Formel berechnet:
4 x Anzahl männlicher Tiere x Anzahl weiblicher Tiere
Ne = -----------------------------------------------------------------------
(Anzahl männlicher Tiere + Anzahl weiblicher Tiere)
Davon abweichend kann jedoch bei Vorliegen besonderer Umstände eine Nutztierrasse auch in eine andere Gefährdungskategorie eingestuft werden.
Nicht gefährdet (NG):
- Effektive Populationsgröße: über 1.000
- Mögliche Abweichungen: Wenn Ne für eine höhere Gefährdungskategorie spricht, kann die Einstufung in NG vorgesehen werden, wenn die neue oder synthetische Rasse züchterisch nicht konsolidiert ist und jederzeit aus vorhandenen Ausgangsrassen reaktiviert werden kann, die Rasse nicht in einem eigenen Zuchtbuch geführt wird und die Überführung in ein eigenes Zuchtbucht nicht beabsichtigt, die Anlage einer Kryoreserve aktuell nicht notwendig oder die Rasse weltweit so verbreitet ist, dass keine Gefährdung absehbar ist.
- Maßnahmen: erfolgreiche Nutzung in der Landwirtschaft, keine Erhaltungsmaßnahmen erforderlich, Monitoring
Beobachtungspopulation (BEO):
- Effektive Populationsgröße: zwischen 200 und 1.000
- Mögliche Abweichungen: Wenn Ne für eine höhere Gefährdungskategorie spricht, kann die Einstufung in BEO vorgesehen werden, wenn die Population stabil ist und ein wirksames Zuchtprogramm zur Erhaltung der genetischen Varianz angewendet wird. Wenn Ne für die Gefährdungskategorie NG spricht, kann eine Einstufung in BEO vorgesehen werden, wenn eine nur regionale Verbreitung der Rasse, eine problematische Züchterstruktur oder die Dynamik des Bestandsrückgangs für ein Gefährdungspotenzial sprechen.
- Maßnahmen: Tiefkühllagerung von Samen erforderlich, Monitoring
Erhaltungspopulation (ERH):
- Effektive Populationsgröße: unter 200
- Mögliche Abweichungen: Wenn Ne für eine geringere Gefährdungskategorie spricht, kann die Einstufung in ERH vorgesehen werden, wenn eine nur noch lokale Verbreitung der Rasse, eine sehr problematische Züchterstruktur oder die Dynamik des Bestandsrückgangs für ein erhebliches Gefährdungspotenzial sprechen.
- Maßnahmen: Tiefkühllagerung von Samen und Erhaltungszuchtprogramme erforderlich, Monitoring
Phänotypische Erhaltungspopulation (PERH):
- Rassen mit landeskultureller Bedeutung, bei welcher der Tierbestand genealogisch nicht eindeutig auf die Ursprungsrasse zurückgeführt werden kann, die Rasse bei ihrer Wiederbegründung bereits stark mit anderen Rassen vermischt oder nur auf sehr wenige Tiere zurückgegangen war oder die Rasse über mehrere Generationen nur sehr geringe Populationsgrößen aufgewiesen hat.
- Diese Rassen können aus tierzuchtwissenschaftlicher Sicht nur noch als Rudimente verstanden werden. Es wird ein Monitoring durchgeführt.